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Dieser Artikel ist eine Übersichtsarbeit, die Informationen aus offenen Quellen zusammenfasst. Die Angaben dienen der Information und ersetzen keinesfalls eine fachärztliche Beratung.
Was sind Ödeme und warum entstehen sie? Welche Arten von Ödemen gibt es?
Ödeme (edema, swelling) sind eine pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im interstitiellen (zwischenzellulären) Raum, die zu einer Volumenzunahme von Geweben und Organen führt. Je nach Entstehungsmechanismus unterscheidet man mehrere Hauptarten von Ödemen:
- Venöse Ödeme — entstehen durch eine Störung des venösen Abflusses aufgrund von Schwäche der Venenklappen, Erweiterung der Venen oder Hindernissen im Blutstrom (Krampfaderleiden, chronische venöse Insuffizienz, postthrombotisches Syndrom). Der erhöhte hydrostatische Druck in den Venen drückt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe – besonders auffällig an den unteren Extremitäten gegen Ende des Tages.
- Lymphatische Ödeme (Lymphödem, Lymphstase) — entstehen durch eine Störung des Lymphabflusses infolge angeborener oder erworbener Insuffizienz der Lymphgefäße und -knoten (nach Operationen, Mastektomie, Strahlentherapie, Verletzungen, Infektionen). Die Lymphe staut sich, das Gewebe verhärtet sich allmählich und es entwickelt sich eine Fibrose.
- Lymphovenöse (gemischte) Ödeme — die häufigste Form bei Erwachsenen, bei der gleichzeitig eine Störung des venösen und lymphatischen Abflusses vorliegt. Die venöse Stase verschlimmert die lymphatische Insuffizienz und umgekehrt – dies führt zu einem besonders hartnäckigen und ausgeprägten Ödem.
- Orthostatische / gravitative Ödeme — entstehen durch langes Stehen oder Sitzen, wenn die Schwerkraft und das Fehlen aktiver Muskelpumpenarbeit zur Flüssigkeitsansammlung in den unteren Beinabschnitten führen. Häufig bei sitzender Lebensweise, Schwangerschaft, Übergewicht und bei heißem Wetter.
- Posttraumatische und postoperative Ödeme — treten nach Verletzungen, Operationen an Venen, Gelenken oder Weichteilen aufgrund lokaler Entzündung, Gefäßschädigung und vorübergehender Störung des lymphatischen und venösen Abflusses auf. Sie sind meist lokal begrenzt und bilden sich bei richtiger Behandlung zurück.
- Ödeme bei Lipödem — entstehen durch pathologische Vermehrung des Fettgewebes (vorwiegend bei Frauen), das lymphatische und venöse Gefäße komprimiert und chronische Pastosität sowie Ödeme an den unteren Extremitäten verursacht. Im Gegensatz zur normalen Adipositas ist die Fettverteilung ungleichmäßig und reagiert schlecht auf Diäten.
- Kardiale, renale, hepatische Ödeme — systemische Ödeme, die bei Erkrankungen des Herzens (Schwäche der Pumpleistung), der Nieren (Natrium- und Wasserretention) oder der Leber (Absinken des Albuminspiegels) auftreten. Die Flüssigkeit sammelt sich symmetrisch an beiden Beinen und steigt oft höher.
Ödeme treten am häufigsten an den unteren Extremitäten auf (Unterschenkel, Knöchel, Füße), seltener an den Armen (postmastektomiebedingtes Lymphödem), im Gesicht oder am Bauch. Gegen Abend nimmt das Ödem zu, das Gewebe wird weich und pastös, bei Druck bleibt eine Delle zurück (Gödemezeichen). Begleitet von Schweregefühl, Spannungsgefühl, Müdigkeit, manchmal Schmerzen.
Bei welchen Ödemen ist apparative Pressotherapie wirksam?
Die apparative Pressotherapie (intermittent pneumatic compression, IPC, sequentielle Pneumokompression) ist am wirksamsten genau bei Ödemen, die durch eine Störung des lokalen venösen und/oder lymphatischen Abflusses verursacht werden. Nachfolgend eine Tabelle mit Übereinstimmung der Ödemarten und der Sinnhaftigkeit der Methode (Reihenfolge und Nummerierung identisch mit dem vorherigen Abschnitt):
| Nr | Art des Ödems | Wirksamkeit der Pressotherapie | Kommentar / typische Anwendungssituationen |
|---|---|---|---|
| 1 | Venöse Ödeme | Hoch | Krampfadern, CVI, postthrombotisches Syndrom – Hauptindikation, schnelle Reduktion von Unterschenkel- und Fußödemen |
| 2 | Lymphatische Ödeme (Lymphödem, Lymphstase) | Hoch | Primäres und sekundäres Lymphödem (einschließlich postmastektomie), besonders untere und obere Extremitäten |
| 3 | Lymphovenöse (gemischte) Ödeme | Hoch | Häufigstes klinisches Szenario bei Erwachsenen – sehr gute Ergebnisse bei kombinierter Pathologie |
| 4 | Orthostatische / gravitative Ödeme | Hoch | Langes Stehen/Sitzen, Schwangerschaft, Übergewicht, geringe Bewegung – schneller Abend-/Nach-Arbeit-Effekt |
| 5 | Posttraumatische und postoperative Ödeme | Hoch (bei Fehlen akuter Kontraindikationen) | Nach Verletzungen, Operationen an Venen/Gelenken/Weichteilen – beschleunigt Resorption des Ödems |
| 6 | Ödeme bei Lipödem | Mittel–hoch | In Kombination mit anderen Methoden – reduziert Pastosität und Umfang der Extremitäten |
| 7 | Kardiale, renale, hepatische Ödeme | Niedrig / nicht indiziert | Systemische Ödeme – Pressotherapie beseitigt nicht die Ursache, Behandlung der Grunderkrankung erforderlich |
Die Methode ist besonders wertvoll im häuslichen Bereich zur täglichen oder regelmäßigen Unterstützung, wenn Kompressionsstrümpfe dauerhaft schwer anzulegen sind oder ein schneller Effekt nach Belastung / Arbeitstag benötigt wird.
Warum entfernt Pressotherapie Ödeme effektiv?
Unter normalen Bedingungen wird der Abfluss venösen Blutes und der Lymphe aus den unteren Extremitäten durch natürliche „Pumpen“ des Körpers gewährleistet.
Muskelpumpe (venös) funktioniert durch Kontraktionen der Waden-, Oberschenkel- und Fußmuskulatur beim Gehen, Laufen oder sogar einfachen Bewegungen. Bei Kontraktion komprimieren die Muskeln die in ihnen und zwischen den Faszien liegenden Venen und drücken das Blut herzwärts. Einweg-Venenklappen verhindern den Rückfluss, bei Entspannung füllen sich die Venen erneut aus distalen Abschnitten. Dieser rhythmische Zyklus „Kontraktion – Entspannung“ überwindet effektiv die Schwerkraft und hält den venösen Druck in den Beinen während der Bewegung niedrig.
Lymphpumpe kombiniert äußere (passive) Kräfte – Kompression des Gewebes durch umliegende Muskeln, arterielle Pulsation, Atembewegungen – und innere (aktive) Kontraktionen glatter Muskelzellen in den Wänden großer Lymphgefäße (Lymphangione). Diese Kontraktionen erzeugen eine peristaltikartige Welle, die die Lymphe gegen den Druckgradienten zu den zentralen Sammelgefäßen und dem venösen Winkel transportiert.
Bei geringer körperlicher Aktivität, langem Stehen/Sitzen, Muskelschwäche oder Schädigung der Lymphwege arbeiten die natürlichen Pumpen unzureichend – Flüssigkeit staut sich, das Ödem nimmt zu, das Gewebe verhärtet sich.
Die apparative Pressotherapie ahmt physiologisch genau diese natürlichen Mechanismen nach. Mehrkammer-Manschetten erzeugen eine sequentielle „Druckwelle“ von Fuß/Hand nach proximal (gradientierte Kompression). Die rhythmischen Zyklen „Kompression – Pause“ reproduzieren:
- Kompression von Venen und Lymphgefäßen wie bei Muskelkontraktion;
- Auspressen interstitieller Flüssigkeit sowie von Blut/Lymphe in proximaler Richtung;
- Wechsel von Druck und Entlastung, was das Nachfüllen und den weiteren Abfluss anregt.
Dadurch:
- wird überschüssige interstitielle Flüssigkeit mechanisch zu den zentralen Sammelgefäßen abtransportiert;
- venöser und lymphatischer Abfluss beschleunigt sich um das 2–4-Fache gegenüber Ruhe;
- Gewebe- und hydrostatischer Druck in den Extremitäten sinkt;
- Mikrozirkulation, Rheologie von Blut und Lymphe verbessern sich;
- das Gefäßendothel wird stimuliert (Freisetzung von Stickstoffmonoxid), lokale Entzündung nimmt ab;
- Fibrosierung des Gewebes bei langanhaltendem Ödem wird verhindert.
Der Effekt ist bereits nach 1–3 Sitzungen spürbar: Umfang nimmt ab, Schweregefühl verschwindet, Beine/Arme werden leichter und optisch schlanker.
Beispiele aus der klinischen Praxis
Beispiel 1 (Ödem und Schmerzen nach langem Stehen in der Arbeit)
Cross-over-Studie bei Arbeitern mit Stehbelastung. IPC reduzierte Schmerz und Umfang von Wade/Knöchel (objektive Ödem-Marker) signifikant ohne unerwünschte Ereignisse.
Quelle: PubMed https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34260560/ ; PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8284752/
Beispiel 2 (häusliche Anwendung bei Ödem der unteren Extremitäten)
Pilot-RCT mit häuslicher IPC bei 50 Patienten mit Ödem und eingeschränkter Mobilität. Nach 1 Monat – signifikante Ödemreduktion, Verbesserung funktioneller Parameter und Lebensqualität.
Quelle: PubMed https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29909855/ ; ScienceDirect https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213333X18301306
Beispiel 3 (Langzeittherapie des Lymphödems der unteren Extremitäten)
Langfristige Anwendung hochdruck-IPC bei Lymphödem der unteren Extremitäten. Methode sicher und ermöglicht dauerhafte Volumenreduktion der Extremität.
Quelle: PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4062105/
Beispiel 4 (Vergleich hoher vs. niedriger Druck bei Phlebolymphödem)
IPC mit hohem Druck zeigte bessere Wirksamkeit bei Volumenreduktion der Extremität bei primärem Lymphödem und Phlebolymphödem im Vergleich zu niedrigem Druck.
Quelle: PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4603726/
Beispiel 5 (fortgeschrittenes APCD-System bei Lipödem und Ödem)
Fortgeschrittene Pneumokompression reduzierte Beinvolumen, subkutane Fettgewebedicke, Ödem-Symptome und verbesserte die Lebensqualität bei Frauen mit Lipödem.
Quelle: MDPI https://www.mdpi.com/2075-1729/15/5/725
Sicherheit der Pressotherapie bei Ödemen
Die apparative Pressotherapie gilt als eine der schonendsten und am besten verträglichen Methoden zur Behandlung von Ödemen. Bei korrekter Druckeinstellung (meist im komfortablen Bereich 60–120 mmHg mit Gradient von Fuß/Hand nach proximal) und Einhaltung der Empfehlungen wird die Behandlung als angenehmer rhythmischer Massage empfunden. Die meisten Menschen spüren lediglich leichte Wärme, Kribbeln oder Schwitzen unter den Manschetten während der Sitzung – diese Empfindungen verschwinden sofort nach Beendigung.
Die Methode wird häuslich und klinisch bei guter Verträglichkeit breit eingesetzt. Wie bei jeder physiotherapeutischen Maßnahme gibt es jedoch Situationen, in denen die Anwendung der Pressotherapie eine vorherige fachärztliche Abklärung erfordert. Dazu gehören:
- Verdacht auf akute tiefe oder oberflächliche Venenthrombose (plötzlicher starker Schmerz, asymmetrisches Ödem, Rötung, lokale Überwärmung);
- aktive entzündliche Prozesse oder Infektionen im Behandlungsgebiet;
- ausgeprägte arterielle Insuffizienz der unteren Extremitäten;
- nicht abgeheilte Wunden, eitrige oder entzündliche Hautveränderungen im Manschettenbereich;
- dekompensierte Herzerkrankungen (insbesondere bei systemischen Ödemen).
Bei Fehlen der genannten Zustände und bei angenehmen Empfindungen während der Sitzung wird die Methode in der Regel gut vertragen und erzielt positive Ergebnisse.
Fazit
Die apparative Pressotherapie ist eine bequeme, angenehme und wissenschaftlich begründete Methode zur raschen Reduktion von Ödemen venösen, lymphatischen und lymphovenösen Ursprungs. Sie hilft, den Teufelskreis „Ödem → Abflussstörung → Gewebeveränderung“ zu durchbrechen, gibt den Extremitäten Leichtigkeit zurück, reduziert das Volumen und verbessert die Lebensqualität.
Der Effekt ist bereits nach den ersten Sitzungen spürbar (Beine/Arme werden schlanker und leichter), bei regelmäßiger Anwendung (Kurs oder Erhaltung) wird eine dauerhafte Ödemkontrolle und Komplikationsprävention erreicht.
Quellen
- ESVS 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease
- Intermittent pneumatic compression for prolonged standing workers with leg edema and pain (PMC8284752)
- The Effectiveness of Intermittent Pneumatic Compression in Long-Term Therapy of Lymphedema of Lower Limbs (PMC4062105)
- An Advanced Pneumatic Compression Therapy System Improves Leg Volume… in Lipedema (MDPI 2025)
- Comparison of efficacy of the intermittent pneumatic compression with a high- and low-pressure application… (PMC4603726)
- NICE und Cochrane Reviews zu IPC bei Lymphödem und venösen Ödemen
- Zusätzliche Studien 2024–2025 zur Wirksamkeit von APCD und IPC bei Lymphödem und Ödemen (ScienceDirect, PMC, MDPI)